Zervikalsyndrom

Begriff

Cervix, Zervix: lat. für “Hals”, “Nacken”

Syndrom: gleichzeitiges Vorliegen einzelner, definierter Symptome (Krankheitszeichen)

 Hals-, Nacken- und Schultermuskulatur

Nackenmuskulatur1Nackenmuskulatur2

 

Quelle: http://www.bartleby.com/107/illus385.html und http://www.bartleby.com/107/illus409.html

Der größte Muskel im Hals/Nackenbereich ist der m. trapezius. Er kann die Schultern bewegen und stabilisiert natürlich auch – gemeinsam mit vielen anderen – den Kopf in seiner jeweiligen Position, ein Teil seines Ursprungs liegt am Unterrand des Hinterhauptes.

Die Schulterblätter werden ebenfalls vom m. trapezius bewegt bzw. stabilisiert, des weiteren von den mm. rhomboideus major und minor und einigen Muskeln der Rotatorenmanschette, allen voran der m. subscapularis.

Diese Muskeln werden von Nerven “befehligt”, das bedeutet, sie bekommen von Nerven die Information, ob sie kontrahieren (anspannen) sollen oder nicht. Es gibt auch “sensible” Nerven, die nur “Empfindungen” wie zb Schmerz weiterleiten; manche Nerven können beides. All diese Nerven treten zwischen den einzelnen Halswirbeln hervor und haben unterschiedliche Verläufe, einige bis in die Arme und Hände.

Beschwerden

Grundsätzlich ist das Zervikalsyndrom durch Schmerz, Verkrampfung und Verhärtung bzw. Verkürzung der im Hals/Nacken/Schulterblattbereich gelegenen Muskulatur gekennzeichnet. Oft ist die Bewegung des Kopfes eingeschränkt und/oder schmerzhaft, das Zervikalsyndrom kann auch generell von Kopfschmerzen (v.a. im Hinterkopf) begleitet sein. Manchmal strahlen die Schmerzen in einen oder beide Arme und/oder Finger und können auch von einem kribbeligen oder geschwollenen Gefühl begleitet sein.

Ursachen

Dass die Muskulatur in schmerzhafter Art und Weise reagiert kann grundsätzlich seinen Ursprung entweder in der Halswirbelsäule, oder aber direkt in der Muskulatur selbst haben.

Probleme der Halswirbelsäule, die zu einem Zervikalsyndrom führen können

  • Veränderungen der Wirbel und Wirbelgelenke (oft durch Abnutzung oder Wachstumsstörung)
  • Veränderungen der Bandscheiben (Vorwölbung oder Vorfall)
  • Entzündliche Erkrankung der rheumatischen Form (zb. Morbus Bechterew)
  • Nicht verletzungsbedingte Defekte, zb Wirbelgleiten
  • Knochenerkrankungen, zb Osteoporose (kann zu Wirbelkörpereinbrüchen führen)
  • “Schleudertrauma”

“Muskuläre” Probleme, die zu einem Zervikalsyndrom führen können

Wenn im Rahmen einer ärztlichen Untersuchung mit Bildgebung keine Ursache im Bereich der Halswirbelsäule gefunden werden kann, sind oft muskuläre Ursachen der Grund für immer wiederkehrende Beschwerden. Sie entstehen durch:

  • Schlechte Haltung (meist am Arbeitsplatz)
  • Einseitiges Tragen/Heben (oft Handtaschen und/oder Kinder!)
  • Kälte (Wintereinbruch) und damit verbunden langfristiges statisches Hochziehen der Schultern
  • kühler oder kalter Luftzug im Nackenbereich
  • Unausgeglichenes Training bzw. ein verkürzter Brustmuskel

Auch wenn es oft für Betroffene sehr frustrierend ist, dass der Arzt keine Ursache finden kann, ist es dennoch für den Trainer eine eher erfreuliche Nachricht. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass er/sie unter diesen Umständen Abhilfe schaffen kann, ist SEHR HOCH!

Behandlung

Die Behandlung der von der Halswirbelsäule ausgehenden Beschwerden obliegt dem Arzt und in den meisten Fällen in weiterer Folge dem Physiotherapeuten.

Für rein muskulär bedingte Probleme kann aber auf vielfältige Art und Weise Linderung erreicht werden, am schnellsten sicher, wenn viele oder alle in Folge vorgeschlagenen Maßnahmen gleichzeitig und langfristig (also auch nach Abklingen der Beschwerden) durchgeführt werden:

Durchblutung fördern

Dies funktioniert am Besten mit Hilfe von Wärme und so manchen auf die Haut aufgetragenen Substanzen (Apotheke fragen). Sportlich wird die Durchblutung des ganzen Körpers natürlich durch Ausdauersport gefördert. In diesem speziellen Fall eignet sich ein Cross Trainer im Fitnesscenter oder Nordic Walking sicher besser, als Laufen oder Radfahren, grundsätzlich ist aber alles besser als Stillstand. Lokal hilft vor allem Schulterkreisen – und zwar so oft und so viel wie möglich, auch begleitend zu anderen Tätigkeiten (sitzen, tippen, gehen, warten, …). Tipp: immer nach hinten kreisen, das dehnt mit Glück auch gleich den m. pectoralis ein bisschen mit.

Haltung kontrollieren (lassen)

Vor allem bei Betroffenen mit Computerarbeitsplätzen lässt sich oft die Ursache für ihr Problem in  der Sitzposition finden! Der Kopf wird oft unnatürlich “nach vorne geschoben”, die Muskulatur im Nachenbereich spannt “reflektorisch” an, um die Halswirbelsäule zu schützen.

Auch einseitiges Tragen (Kinder!!!) kann ein Problem sein, ist die Muskulatur nicht gut genug trainiert, spannt sie zwecks Stabilisierung der Wirbelsäule (v.a. auf der Gegenseite) so stark an, dass früher oder später schmerzhafte Verkrampfung die Folge ist. Alle Lasten (auch wenn sie im ersten Moment nicht schwer erscheinen) sollten in der Mitte und mit beiden Händen bzw. Armen (Rucksack!) getragen werden.

Muskulatur auflockern

Die Muskulatur ist verkrampft und soll aufgelockert werden. Dazu helfen natürlich durchblutungsfördernde Maßnahmen (siehe oben) und zusätzlich Massage. Es gibt auch Trainingsmethoden, die Massage und Kräftigung in einem ermöglichen.

Muskelkräftigung

Je schwächer ein Muskel ist, desto schneller verhärtet und verkrampft er bei statischer Anspannung. Die Lösung liegt auf der Hand: TRAINING! Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten, um die einzelnen, oben beschriebenen Muskeln und Muskelgruppen isoliert und auch kombiniert zu trainieren. Dabei ist immer besonders auf die Haltung zu achten, im speziellen darauf, dass die Schultern in der Regel weit weg von den Ohren, also UNTEN gehalten werden, auch wenn sich das anfangs ungewohnt oder sogar anstrengend anfühlt.

Geeignete Übungen kennt der/die TrainerIn – im Zweifelsfalle auch das Internet!

Muskeldehnung

Ist der große Brustmuskel (m. pectoralis major) durch übermäßiges Training ohne Dehnen verkürzt, kann es sein, dass die am Rücken liegende Muskulatur von der anderen Seite versucht, durch statische Anspannung die Schultern in ihrer Lage zu halten. In diesem Fall helfen Dehnung des m. pectoralis major mit gleichzeitiger Kräftigung der oben beschriebenen Muskulatur.

Auch ist oft der absteigende (obere) Anteil des m. trapezius verkürzt – wie oben schon beschrieben kann dies am Besten durch intensives und langes Schulterkreisen und bewusstes Ziehen der Schultern nach unten behoben werden.

Geeignete Übungen kennt der/die TrainerIn – im Zweifelsfalle auch das Internet!

Luftzug limitieren, Kälte abhalten

Betroffene sollten ihre Schlafposition überprüfen, offene oder zügige Fenster, die Luftzug auf Hals oder Nacken verursachen, schließen bzw. abdichten. Vor allem im Winter sollte die betroffene Region durch entsprechende Kleidung (zb Rollkragenpullover) warm gehalten werden – zusätzlich sollten Betroffene vor allem in der Kälte immer wieder selbst kontrollieren, ob ihre Schultern nicht gerade unbewusst nach oben gezogen werden!

 

Treten die Beschwerden erstmals auf und sind von hohem Fieber, starkem Krankheitsgefühl und/oder Kopfschmerzen begleitet, konsultieren Sie bitte SOFORT einen Arzt! Telefonnummer der Rettung: Österreich und Schweiz 144, Deutschland 112