Stretching_mit_Barbara_Lust
copyright Barbara Lust

Verkürzte Muskulatur…

…oder: vom Dehnen und Stretchen

Zum Thema verkürzte Muskeln wurden bereits ganze Bücher gefüllt, die Nachrichten zu Sinn oder Unsinn des Dehnens wechseln einander in ihren Aussagen ab und es gibt kaum Studien, die wirklich relevante Ergebnisse zu diesen Themen zeigen.

Gerade aber weil dieses Thema so umstritten ist und auch ich regelmäßig danach gefragt werde, möchte ich hier kurz darlegen, was jedenfalls unumstritten ist und klar auf der Hand liegt. Dementsprechend kurz fällt dieser Bericht auch aus.

Wie schon in einigen anderen hier im Trainer-ABC auffindbaren Berichten ersichtlich, können – unter Umständen – einige verkürzte Muskeln zu bestimmten Problemen führen:

  • Verkürzter Brustmuskel (m. pectoralis major): Zervikalsyndrom, BWS-Probleme, u.U. Impingement Syndrom
  • Verkürzte Hüftstrecker/Beinbeuger/glutaeus maximus: LWS-Hypolordose – LWS-Wirbel- und Bandscheibenprobleme
  • Verkürzte Hüftbeugemuskulatur: LWS-Hyperlordose – LWS-Wirbel- und Bandscheibenprobleme
  • Verkürzte Waden-/Fußmuskulatur: Fersensporn und andere Fußprobleme
  • Verkürzte Unterschenkel-Vorderseite (m. tibialis anterior): u.U. Tibiakantensyndrom
  • Verkürzter Trapezmuskel (m. trapezius): Zervikalsyndrom, HWS-Probleme
  • Verkürzte Hand-/Unterarmmuskulatur: Schwierigkeiten im Vierfüßerstand (Bankstellung)
  • Verkürzte Rückenstrecker (m. erector spinae) / Latissimus: Hypolordose - LWS-Wirbel- und Bandscheibenprobleme

   Herabschauender_Hund

Wenn man sich diese Liste so ansieht, kann man eigentlich zu dem Schluss kommen, dass es nun ohnehin praktisch wieder der ganze Körper ist… Den ersten Schock verdaut könnte aber auch sehr schnell wieder Entspannung eintreten. Denn wenn jede dieser Muskelgruppen auch nur ca. 30 Sekunden gedehnt wird, sind nicht einmal 5 Minuten vergangen.

Und apropos Entspannung: nach einem ausgiebigen Training 5 Minuten zur Ruhe kommen und in den Körper “hineinfühlen” kann wohl – wenn eine Wirkung – dann nur eine positive haben. Mentale Entspannung ist auch für die Regeneration förderlich.

Alle anderen, oft behaupteten positiven Wirkungen wie weniger Verletzungsanfälligkeit, besserer Trainingseffekt u.v.m. können – wie schon eingangs erwähnt – kaum bis gar nicht bewiesen – aber auch  nicht wiederlegt (!) werden. Darum würde ich keineswegs vom Dehnen abraten, es aber ebenso wenig als Notwendigkeit für “Jedermann” bezeichnen.

Auch hier ist natürlich das Fenster für Kommentare geöffnet – bei derart umstrittenen Themen haben vielleicht so manche Trainer etwas zu sagen? :)

One Response

  1. the scary door
    the scary door at | | Reply

    sehr schön objektiv geschrieben, und das subjektive extra gekennzeichnet.
    so soll es sein

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