Wirbelsaeule
Quelle:
http://www.bartleby.com/107/illus111.html

 Skoliose

Begriff

skolios: altgriechisch für “krumm”

Die Wirbelsäule, lat. columna vertebralis

Die menschliche Wirbelsäule hat je zwei Krümmungen nach vorne und nach hinten, man sagt darum, sie hat eine “Doppel-S-Form”. Sie wird grob in 4 Abschnitte geteilt:

Die Halswirbelsäule, kurz HWS, lat. pars cervicalis (“der Halsteil”)

Die HWS besteht beim Menschen aus 7 Wirbeln. Sie ist nach vorne gekrümmt, man nennt diese Krümmung “Lordose”. Ist diese Krümmung zu stark, nennt man das “Hyperlordose”. Auch der Laie kann den 7. (also untersten) Halswirbel relativ leicht sehen bzw. ertasten, denn sein Dornfortsatz ragt weiter als die anderen heraus. Aus diesem Grund nennt man den 7. Halswirbel auch “vertebra (“Wirbel”) prominens (“hervorstehend”).

Die Brustwirbelsäule, kurz BWS, lat. pars thoracica (“der Brustteil”)

Sie besteht beim Menschen in der Regel aus 12 Wirbeln. Jeder davon ist mit je einem Rippenpaar (davon haben wir auch 12) verbunden. Die Brustwirbelsäule ist nach hinten gekrümmt, man nennt diese Krümmung “Kyphose”. Eine zu starke Krümmung (sie tritt oft durch Osteoporose auf, kann aber natürlich eine Vielzahl anderer Ursachen haben) nennt man “Hyperkyphose”.

Die Lendenwirbelsäule, kurz LWS, lat. pars lumbalis (“der Lendenteil”)

Die LWS besteht aus 5 Wirbeln, die wie schon die Halswirbelsäule in einer Lordose gekrümmt sind. Die 5 Lendenwirbel sind die größten (die Halswirbel die kleinsten) Wirbel der menschlichen Wirbelsäule, auf die – alleine schon aus Gründen der Schwerkraft – die größte Belastung fällt.

Wenn die Lordose in der LWS zu stark ist, nennt man das Hyperlordose. Sie ist oft mit einem zu kurzen m. iliopsoas (Hüftbeuger) und einer schlecht trainierten Bauchmuskulatur vergesellschaftet. Auch eine Hypolordose in der Lendenwirbelsäule (ein zu flacher Rücken) kommt oft vor. Hier ist in der Regel verkürzte ischiochrurale Muskulatur beteiligt. Diesen muskulären Komponenten von Hyper- und Hypolordose in der LWS kann natürlich der Trainer perfekt entgegenwirken.

Kreuz- und Steißbein, lat os sacrum, os coccygis

Kreuzbein

Quelle: http://www.bartleby.com/107/illus95.html

An die LWS schließt das Kreuzbein an, das aus 5 miteinander verwachsenen Wirbeln besteht (siehe Bild), an jenes das Steißbein, das aus weiteren 3 bis 5 miteinander verwachsenen Wirbeln besteht. Die Knochenpaltte aus Kreuz- und Steißbein ist wie die BWS als Kyphose geformt.

Erscheinungsbild der Skoliose

Wir kennen also nun die natürlichen (= “physiologischen”) Krümmungen unserer Wirbelsäule. Die Skoliose ist jedoch keine dieser natürlichen Krümmungen nach hinten oder nach vorne, sondern eine krankhafte (= “pathologische”) Krümmung zur Seite.

skoliose          Scoliosis_cobb

Quelle Bild links: fotolia

Quelle Bild rechts: http://de.wikipedia.org/wiki/Skoliose

Das Ausmaß der Skoliose kann mit einem bestimmten Messverfahren angegeben werden: dem sogenannten Cobb-Winkel (siehe Bild). Dieses Bild macht auch deutlich, dass bei der Skoliose immer mehrere Verkrümmungen vorhanden sind, da der menschliche Körper sich immer gerade aufzurichten sucht.

Ursachen und Prävention

Die Ursachen der Skoliose sind vielfältig. Die Skoliosen, die in der Pubertät entstehen stehen zumeist mit Wachstumsschüben in Verbindung. Auch hormonelle und genetische Aspekte scheinen eine Rolle zu spielen. Grundsätzlich kann man sicher sagen, dass eine gut und ausgeglichen trainierte Rückenmuskulatur (Agonisten und Antagonisten!) während Wachstumsschüben von Jugendlichen eine besonders nachhaltige Bedeutung zukommt. Außerdem sollten übermäßige bzw. stets einseitige (Schultaschen!!!) Belastungen möglichst vermieden werden. Es mag im Augenblick “uncool” sein, dieses Opfer ist es aber auf lange Sicht betrachtet definitiv wert. Auch eine Vorbildwirkung der Eltern in Bezug auf Haltung, Sport und sinnvolles Tragen von Lasten nimmt hier eine hohe Bedeutung ein. Denn anfangs sitzt jedes gesunde Kind gerade (Bild), alles was dann daraus wird, schauen sich Kinder von uns Erwachsenen ab!

Baby_sitzt          Junge mit Korsett

Bild links: ein gesundes Baby (das alt genug ist) sitzt grundsätzlich von alleine gerade

Bild rechts: ein Korsett für Skoliosenbehandlung von Kindern/Jugendlichen (Quelle: fotolia)

Natürlich muss aber an dieser Stelle betont werden, dass es leider nicht immer so einfach ist und viele Skoliosen schon im frühen Kindheitsalter beginnen. Traumen (zb Unfälle), Muskel- oder Sekeletterkrankungen oder Neurologische Erkrankungen können die Ursache sein. Auch diesen Menschen kann man mit dem richtigen Training (gesamte tiefe und oberflächliche Rückenmuskulatur und zusätzlich alle Antagonisten auf der Rumpfvorderseite) Erleichterung verschaffen, vermeiden oder gar heilen kann man ihre Skoliosen aber auf diesem Wege nicht.

Stärkere Skoliosen (ca. ab 20 ° Cobb) können zusätzlich zur Physiotherapie während der Wachstumsphasen (Pubertät) mit einem Korsett versorgt werden, um das Wachstum zu steuern.

In extremen Fällen kann die Wirbelsäule operativ begradigt und “versteift” werden, diese Operation bringt aber (abgesehen vom generellen Risiko eines derartigen Eingriffs) in der Beweglichkeit der Betroffenen einige Nachteile mit sich. Aus diesem Grund muss die Entscheidung für derartige Operationen wohl überlegt und mit Bedacht getroffen werden.

Eine geringfügige Skoliose (bis 9 ° Cobb) haben sehr viele Menschen und abgesehen von ein wenig Rückentraining ist für diese Menschen in der Regel nichts weiter zu tun, um großteils beschwerdefrei zu bleiben.

ALLE DIAGNOSTIZIERTEN SKOLIOSEN sollten – VOR ALLEM IM WACHSTUM! – in regelmäßigen Abständen ÄRZTLICH KONTROLLIERT WERDEN!

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