Impingement Syndrom der Sportler-Schulter

Subakromiales Impingement-Syndrom

Begriff

Impingement: engl. “Zusammenstoß”, “Aufprall”

Syndrom: gleichzeitiges Vorliegen einzelner, definierter Symptome (Krankheitszeichen)

 

Anatomie der Schulter

Anatomie_Schulter_1

Quelle: http://www.bartleby.com/107/illus411.html

Die Anatomie der Schulter ist recht kompliziert für den Laien zu erfassen, da sehr viele unterschiedliche Strukturen aufeinander treffen. Zwischen den Knochen, also dem Oberarmkopf, dem Acromeon (eine Art Fortsatz des Schlüsselbeins), und dem Schulterblatt ziehen eine Vielzahl an Muskeln des Arms und der Schulter durch und einige, wichtige Bänder, die neben den Muskeln Stabilität gewährleisten.

Die Schulter ist ein Kugelgelenk mit einem sehr großen Bewegungsspielraum. Die Gelenkskapsel muss aufgrund ihrer anatomischen Struktur relativ weit sein, die Muskulatur (allem voran die Rotatorenmanschette) und die Bänder müssen den Oberarm stabil zentriert in dieser Kapsel halten. Eine genaue Erklärung zur Muskulatur der Rotatorenmanschette ist zb in einem unserer Lehrvideo-Links (“Rotatorenmanschette”) zu finden.

Zwischen dem m. supraspinatus (ein Muskel der Rotatorenmanschette, er stabilisiert von oben den Humeruskopf – so er kräftig genug ist) und dem Acromeon bzw. dem darüber liegenden m. deltoideus befindet sich auch ein Schleimbeutel, die sog. “bursa subacromialis”.

 

Entstehung und Erscheinungsbild des Impingement-Syndroms

Das Impingement Syndrom entsteht dadurch, dass der Kopf des Oberarms nicht zentral in der Gelenkspfanne stabilisiert werden kann, in der Regel ist der Grund dafür eine zu schwache Muskulatur der Rotatorenmanschette. Je nachdem, wo das Stabilisierungsproblem am Größen ist, entsteht Reibung an anliegenden Weichteilen, Muskelsehnen oder dem Schleimbeutel.

Dies verursacht teilweise schweißtreibende Schmerzen, die gewisse Bewegungen des Arms mit der Zeit unmöglich machen können.

Im MUSKELAUFBAU kann es besonders leicht zum Entstehen eines Impingement Syndroms kommen. Wenn die umliegenden Muskeln (Oberarm, Schulter, Brust,…) verstärkt trainiert werden und die Rotatorenmanschette nicht begleitend gekräftigt wird, entsteht ein gewisses Ungleichgewicht. Die auf die Schulter wirkenden Züge und Drücke (zb durch schwere Gewichte oder statische Belastungen) werden immer stärker – die Rotatorenmanschette (die bis zu diesem Zeitpunkt ausreichend gekräftigt war, um zu stabilisieren) kann diesen vermehrten Belastungen nicht standhalten. Außerdem hypertrophieren die umliegenden Muskeln, was zusätzlich zu Druck und Platznot im problematischen Areal führen können.

Wird das Problem dauerhaft nicht behoben, können natürlich Schäden an den “eingeklemmten” Strukturen entstehen, wie zb Entzündungen, Kalkablagerungen u.ä.

Zwecks genauer Diagnose ist es notwendig, einen Arzt aufzusuchen (manche – GUTE – Physiotherapeuten können das auch), der durch spezielle Funktionsüberprüfungen genau eruieren kann, ob es sich tatsächlich um ein Impingement Syndrom handelt und welche Strukturen der Schulter genau betroffen sind. Nach dieser Diagnose richtet sich dann auch die korrekte und zielführende Behandlung.

 

Therapiemöglichkeiten

Es gibt verschiedene Möglichkeiten zur Therapie des Impingement-Syndroms, hier die wichtigsten:

Muskelkräftigung

Zu allererst sollte versucht werden, die Muskulatur der Rotatorenmanschette zu kräftigen. Jede Trainerausbildung im Fitness- und Aerobictrainerbereich sollte zu diesem Thema informieren. Außerdem sind natürlich in der Fachliteratur und auch im Internet auf div. Videos jede Menge zielführende Übungen zu finden. Falls eine ärztliche Diagnose (noch) nicht erfolgt ist und trotzdem versucht werden soll, das Problem alleine mit Muskelkräftigung zu beheben (das ist OFT erfolgreich!), empfehlen wir, einfach die GESAMTE Rotatorenmanschette mit entsprechenden Übungen mindestens zwei Mal, besser drei Mal wöchentlich über mehrere Monate zu kräftigen. Falls sich Erfolg einstellt, sollte dieses Training keinesfalls gestoppt werden, die Frequenz kann aber in vielen Fällen auf ein bis zwei Mal wöchentlich reduziert werden.

Muskeldehnung

Wenn der Druck auf einzelne Strukturen bzw. der Zug auf das Gelenk durch verkürzte, andere Muskeln zustande kommt, bzw. noch verstärkt wird, kann es natürlich helfen, diese Muskeln zu dehnen. Der häufigste Kandidat ist hier sicher der große Brustmuskel, der m. pectoralis major.

Barbara_Pectoralisdehnung

Eine Kollegin hat uns freundlicherweise ein Bild zur Verfügung gestellt, auf dem gut zu sehen ist, wie sie Ihr Schulterproblem (das offiziell gar nicht als solches diagnostiziert wurde) behoben hat!

Details zur Durchführung:

  • Finger nach Außen
  • wenn mit gestreckten Armen nicht genug Zug entsteht, die Ellbögen zusätzlich beugen

Kälte- und Wärmebehandlung

Bei akuten Symptomen kann Kälte helfen (z.B. Coolpack aus dem Kühlschrank – nicht aus dem Gefrierfach!), langfristig bei chronischen Schmerzen ist Wärme zielführender.

 Medikamentöse Behandlung

Natürlich können Schmerzmittel, die sowohl Entzündung, als auch Schmerzen reduzieren momentan Erleichterung schaffen. Außerdem kann es die Beweglichkeit erhöhen, wenn der Arzt per Injektionsnadel Lokalanästhetika in den subakromialen Raum spritzt. Diese Maßnahme ist natürlich ebenfalls schmerzlindernd.

Arthroskopische, subakromiale Dekompression

Dies ist ein operativer Eingriff, bei dem sowohl ev vorhandene Kalkablagerungen entfernt, als auch (daher der Name) einengende Knochenstrukturen abgetragen werden können.

Keine der hier befindlichen Informationen und Empfehlungen ersetzen in irgendeiner Art und Weise die professionelle Begutachtung, Diagnose und Therapie eines ARZTES!!!

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