Fersensporn, Calcaneussporn, Kalkaneussporn

Dieser Bericht wurde verfasst mit freundlicher Unterstützung von Dr. Carina Zorn!

Begriff

calcaneus: medizinischer Begriff für “Ferse”

Der Fuß

Der Fuß besteht aus einer Vielzahl an Knochen, Muskeln und Bändern – die wir an dieser Stelle nicht im Detail besprechen. Wers genau wissen will, dem empfehlen wir ein Lehrbuch der Anatomie. Hier sei nur das folgende gesagt:

Der Fuß hat ein spezielles Gewölbe, die Fußknochen sind entsprechend geformt, um dieses Gewölbe bilden zu können (siehe Bilder). Auf den Fuß kommt allerdings – schwerkraftbedingt – einiges an Gewicht von oben, es wäre also nur aufgrund der Form der Fußknochen nicht möglich, dieses Gewölbe in seiner Form zu erhalten. Diese Stabilisierung übernehmen Muskeln und Bänder.

Fussgewoelbe_von_medial   Fussgwoelbe_von_lateral

Bilder: knöchernes Fußgewölbe des linken Fußes: 1. Bild: Fuß von innen betrachtet, 2. Bild Fuß von außen betrachtet

Quelle: http://www.bartleby.com/107/illus290.html und http://www.bartleby.com/107/illus291.html

DFussmuskulatur_plantariese Muskeln und Bänder sind mehrschichtig angelegt und haben ihren Ursprung teilweise in der sog. Plantaraponeurose, welche wiederum ihren Ursprung am unteren Teil des Fersenbeins hat. Die Plantaraponeurose ist eine Sehnenplatte, die das Fußgewölbe zusätzlich schützt und stützt.

Bild links: das ist der Blick von unten auf einen Fuß. “Calcaneus” ist die Ferse, davon geht eine weiße Struktur weg, dies ist die Plantaraponeurose. Sie geht in Wahrheit auch weiter, als im Bild ersichtlich. Der Grund: dies ist ein anatomisches Bild. Es ist so gezeichnet, dass man sieht, wie das aussehen würde, wenn die Plantaraponeurose durchtrennt worden wäre – es kommt also alles zum Vorschein, was darunter liegt.

Quelle: http://www.bartleby.com/

Musculus_triceps_surae

 

 

 

Auch eine weitere, wichtige, sehnige Struktur ist mit dem Fersenbein verbunden – und zwar mit der Fersenhinterseite: die Achillessehne! Sie bildet den Ansatz des m. triceps surae (= m. gastrocnemius und m. soleus).

Bild rechts: Dieses Bild zeigt den m. triceps surae mit der Achillessehne: oben kann man den 2-köpfigen Ursprung des m. gastrocnemius erkennen, wieder ist er wie auf anatomischen Bildern üblich in beiden Köpfen durchtrennt, um den unter ihm liegenden m. soleus zum Vorschein zu bringen. Beide münden in die Achillessehne, welche ihren Ansatz an der Hinterseite des calcaneus hat.

Quelle: http://www.bartleby.com/

 

 

 

Entstehung des Fersensporn

Wenn nun – zumeist durch Fuß- und/oder Unterschenkelfehlstellungen und/oder -schwächen zu starke Belastungen auf Achillessehnenansatz oder Plantaraponeurose kommen, werden diese überdehnt und im Zuge dieser Überdehnung auch leicht verletzt. Besonders leicht passiert dies zb beim Senk- und/oder Spreizfuß. Durch diese kleinen Verletzungen können sich diese beiden Sehnen – wie grundsätzlich jede Verletzung – auch entzünden. Dies ist – vor allem im ausgeprägteren Stadium SEHR schmerzhaft und kann auch ein wenig anschwellen. Je nachdem, welche der beiden Sehnen betroffen ist, ist auch an dieser Stelle ein Druckschmerz vorhanden.

Wo die chronische Entzündung sehr lange anhält, können sich die Sehnen “kalzifizieren” und ein Knochensporn kann entstehen, also eine Auflagerung oder Vorsprung am Knochen, die/der von außen spürbar ist und natürlich auch am Röntgenbild sichtbar ist.

BEVOR die knöcherne Veränderung zu sehen ist, wird der Fersensporn (im aktuen Stadium) darum oft auch als “Fasziitis plantaris” bezeichnet, das bedeutet übersetzt so viel wie “Entzündung der Muskelhaut der Fußsohle” – was es ja auch ist.

Je nach Lokalisation spricht man vom

  • plantaren Fersensporn (wenn die Plantaraponeurose betroffen ist) oder vom
  • dorsalen Fersensporn (wenn die Achillessehne betroffen ist).

Besonders häufig haben Sportler dieses Problem – allen voran Läufer, die viel Aufprall auf ihr Fußgewölbe bringen, und das leider oft mit nicht-idealem Schuhwerk.

Auch bei Adipositas oder Menschen, die stehende bzw. gehende Berufe ausüben, kommt ein Fersensporn häufiger vor.

In England wird diese Erkrankung auch – je nach Lokalisation – policeman’s foot bzw. policeman’s heel genannt. Ob diese Berufsgruppe wegen Ihrer schlechten Schuhausstattung, wegen der langen Fußmärsche, wegen des mittransportierten Bäuchleins oder wegen einer Kombination all dieser Komponenten besonders von diesem Leiden geplagt ist, entzieht sich leider meiner Kenntnis!

Therapie

Wie so oft möchten wir auch hier in aller Deutlichkeit betonen, dass ein Arzt diese Diagnose stellen sollte – und auch die Möglichkeit erhalten sollte, einen Therapievorschlag zu machen (ob dieser dann so ausgeführt wird, oder nicht, bleibt letztenendes ohnehin dem Patienten überlassen – diesbezüglich geben wir auch keinerlei Empfehlungen ab, lediglich den Hinweis, dass die meisten Ärzte ganz gut wissen, was sie tun).

Grundsätzlich muss durch Entlastung und diverse physikalische Übungen die Entzündung eine Möglichkeit zum Heilen bekommen. Am Besten geeignet sind hier:

  • Einlagen mit Druckentlastung des Sporns UND Stützung des Fußgewölbes (mit Bandagen oder Taping)

Fersensporn_Einlage   Fersensporn_Fussbandage

Bilder: links: Einlage mit Aussparung bzw. Loch unter der Ferse und Auflage zwecks Stützung des Fußgewölbes. Rechts: Stützung des Fußgewölbes mit Bandagen vom Bandagisten (Taping ist auch möglich – wers beherrscht)

copyright beide Bilder Barbara Lust

  • Dehnung der Muskulatur von Wade und Fußgewölbe (siehe Muskel-Bilder oben)

Plantaraponeurose_Dehnungs_Strumpf

Bild: zeigt einen im Internet bestellten Strumpf zur Dehnung der Fußmuskulatur und die korrekte Anwendung

copyright Barbara Lust

  • Training der Fußmuskulatur!!! Ein super Beispiel dafür: Training Fußgewölbe
  • Im Idealfall Schonung der Ferse (keine langen Läufe oder Märsche) bis die Entzündung abgeklungen ist

Medikamentös bestehen Möglichkeiten zur Linderung der Entzündung mit:

(bitte im individuellen Fall den ARZT befragen!!!)

  • Substanzen wie Ibuprofen und ähnlichen Präparaten dieser Substanzklasse (ACHTUNG – Diclofenac ist derzeit ein wenig in Verruf geraten) zum Einnehmen
  • Injektionen mit Lokalanästhetikum und Kortison

Physikalische Therapie

elektro1Da der Fersensporn als Entzündung beginnt, verwendet man üblicherweise Elektrotherapie in Form von Iontophorese. Dabei werden plattenförmige Elektroden so an der Ferse angebracht, dass Gleichstrom durch das zu behandelnde Gebiet fließt. Das wirkt stark entzündungshemmend und schmerzstillend. Unterstützt wird diese Wirkung durch das Aufbringen von entzündungshemmenden Gelen (meistens Diclofenac-hältig) unter der Elektrode, da so die Wirksubstanz tiefer in den Körper eindringen kann.

Bild: Gerät zur Iontophorese, copyright Dr. Carina Zorn

Diese Elektrotherapie darf allerdings nicht bei Metallimplantaten im Behandlungsgebiet verwendet werden!

Therapeutischer Ultraschall wirkt durch die Fortpflanzung der Schallwellen in den Körper wie eine „Mikromassage“. An den Stellen wo Sehnen am Knochen ansetzen, kommt es zu einer höheren Energiedichte. Die Durchblutung wird gesteigert, gesundes Gewebe rascher neu gebildet, kleine Kalkdepots können aufgelöst werden. Das alles wirkt schmerzstillend.

Wichtig bei der Physikalischen Therapie sind regelmäßige Anwendungen (mind. 3x pro Woche, Ultraschall jeweils wenigstens 10 Minuten) um rasch einen Therapieerfolg zu bringen.

Stosswellentherapie (“ESWT”)

ESWT

Bild: Gerät zur Behandlung mit Stoßwellentherapie, copyright Dr. Carina Zorn

Wenn die Physikalische Therapie (s.o.) nicht ausreichend schmerzlindernd wirkt, kommt bei den klassischen Sehnenansatzerkrankungen (Fersensporn, aber auch Kalkschulter und Tennisellbogen) die Extrakorporale Stoßwellentherapie (ESTW) zum Einsatz.

Dabei werden mit einem speziellen Gerät hochenergetische Druckwellen erzeugt (kann man sich ungefähr wie einen Mini-Presslufthammer vorstellen), die sich im Körper fortbreiten. Diese Druckwellen können bei gezielter Anwendung kleine Verkalkungen auflösen, die feinen Überreste werden über die Blutgefäße entfernt und vom Körper ausgeschieden. Wo genau behandelt wird, entscheidet der Arzt anhand von Druckschmerz und Röntgen- bzw. Ultraschallbildern. Die Behandlung selbst kann kurz unangenehm sein, dauert aber nur wenige Minuten. Nach 2-3 Sitzungen ist normalerweise das Übel beseitigt und der Patient schmerzfrei.

Operative Möglichkeiten

Von Operationen wird derzeit eher abgeraten, um schmerzhafte Narbenbildung zu vermeiden. Wenn dennoch ein Arzt der Ansicht ist, das es sich bei einer Operation um die richtige bzw. notwendige Behandlungsmöglichkeit handelt, plant er wohl (mindestens) einen der beiden folgenden Eingriffe:

  • Entfernung des Sporns
  • Entlastung der eingeengten Muskelgruppen durch Durchtrennung der Faszie (die sie umgebende “Muskelhaut”), auch der schmerzhafte Nerv kann so entlastet werden.

 

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