Diabetes mellitus – Die Zuckerkrankheit

Begriff (lt. Wikipedia)

diabetes: bedeutet soviel wie hindurchfließen, hindurchgehen (was das bedeutet folgt weiter unten)

mellitus: “zuckersüß”

Die Bauchspeicheldrüse und das Insulin

Wenn wir Zucker (Kohlenhydrate) essen, wird dieser vom Verdauungstrakt (v.a. vom Darm) aufgenommen und in das Blut abgegeben – der Blutzuckerspiegel steigt. Fast alle unsere Organe (allen voran unsere Muskeln!) haben Zellen, die zum Funktionieren Zucker brauchen.

Pancreas_und_Duodenum

Quelle: http://www.bartleby.com/107/illus1098.html

Wenn der Blutzuckerspiegel steigt, erkennt das unsere Bauchspeicheldrüse (griechisch “pancreas”) und produziert in speziellen  Zellen das Hormon Insulin (und sie kann noch viel mehr, davon sprechen wir aber hier vorerst nicht).

Das Insulin hat grob erklärt 2 Jobs:

  1. Es sagt den Zellen – auch jenen in den Muskeln! – dass sie Glukose (also Zucker) aufnehmen und verarbeiten sollen UND
  2. Es sagt der Leber, dass sie jenen Zucker, der nach der Aufnehme in die Zellen (also wenn diese alles an Zucker bekommen haben, was sie brauchen und zusätzlich noch als Vorrat speichern können) noch im Blut übrig bleibt, speichern soll (für schlechte Zeiten sozusagen, um ihn dann wieder abzugeben, wenn nicht mehr genug davon im Blut ist, die Zellen aber wieder was haben wollen).

Falls die Leber einmal der Ansicht ist, dass sie jetzt nicht mehr genug Zucker gespeichert hat, um alle Zellen, die Zucker brauchen, zu versorgen, kann sie sogar neuen Zucker erschaffen (wie sie das macht ist für den Trainer auch sehr spannend – aber auch das besprechen wir in diesem Rahmen nicht)

Auf diese Weise funktioniert es, dass unser Blutzuckerspiegel stets ausgeglichen bleibt – und immer alle Organe den Zucker bekommen, den sie benötigen, und trotzdem nie zu viel Zucker im Blut herumschwirrt (das wäre nämlich ziemlich schlecht für die Blutgefäße, in denen das Blut mit dem vielen Zucker fließt).

Wie die Zellen (in Leber, Muskeln,…) auf Insulin reagieren, kann man in etwa damit vergleichen, wenn wir auf der Straße spazieren gehen und ein Hundert-Euro-Schein wird vom Wind direkt in unsere Arme geweht. Wir freuen uns sprichwörtlich “den Haxn aus”, schnappen ihn, und kaufen uns was Gutes drum, was wir auch gut brauchen können (für die Zelle wäre das Gute in diesem Fall der Zucker).

Diabetes Mellitus Typ 1

Aufgrund einer meistens angeborenen Erkrankung kann die Bauchspeicheldrüse kein Insulin produzieren. Die Zellen bekommen also auch den Zucker nicht, den sie benötigen, dafür bleibt der Zucker aber im Blut – der einzige Ort, wo wir ihn in überhöhten Mengen eigentlich überhaupt nicht brauchen können.

Obigen Vergleich betrachtend fliegen also leider keine Hunderter (und niemanden interessierts), die Geschäfte werden aber immer voller mit Zeug, das wir (= die Zelle) eigentlich auch dringend benötigen würden.

Diabetes Mellitus Typ 2

Beim Typ 2, den man auch “Altersdiabetes” nennt, sieht die Sache ganz anders aus. Aufgrund zu hoher Nahrungsaufnahme (also langfristig mehr Zucker als benötigt) und somit einer permanent zu hohen Konfrontation mit Insulin, werden die Zellen, die den Zucker aufnehmen sollen, unempfindlich auf Insulin. Sie erkennen es also nicht mehr richtig, darum steigt der Blutzuckerspiegel noch weiter an. Und mit steigendem Blutzuckerspiegel steigt auch das im Blut befindliche Insulin weiter an.

In unserem kleinen imaginären Diabetes-Beispiel würde das ganze also in etwa so aussehen: Die Geschäfte sind voll bis oben hin. Es fliegen so viele Hunderter herum, dass wir kaum mehr was anderes sehen können. Unsere Taschen sind leer und wir bräuchten GANZ DRINGEND sowohl die herumfliegenden Hunderter, als auch die Waren der übervollen Geschäfte. Aber irgendein A….loch hat uns die Finger abgeschnitten und so können wir die Hunderter kaum mehr fangen. Das bissl, was ohne Finger noch zu fangen ist, ist mehr als unzureichend. Und weil der Sozialstaat merkt, dass die Geschäfte immer voller und unsere Taschen immer leerer werden, schmeißt er immer mehr Hunderter vom Himmel. Hilft aber leider nix.

Im Gegensatz zu einem Menschen mit Diabetes Typ 1 hat also ein Mensch mit Typ 2 MEHR Insulin im Blut, als ein Gesunder. Der Blutzuckerspiegel ist wegen der gestörten Zuckeraufnahme in die Zellen bei beiden erhöht.

Diagnose

Die Diagnose nimmt der Arzt vor. Es gibt zu diesem Zweck mehrere Laborwerte, die man erheben kann. Grob erklärt ist natürlich – wie schon erwähnt – zu viel Zucker im Blut und das kann man natürlich da drin finden, wenn man es im Zuge einer normalen Blutabnahme abnimmt.

Wenn der Blutzuckerspiegel hoch genug ist, findet sich sogar Zucker im Harn, manchmal kann man das riechen. Dieser Zucker im Harn begründet auch die Herkunft des Namens “diabetes” – hindurchfließen.

Außerdem ist Insulin das einzige Hormon, das vermitteln kann, dass der Körper Fettzellen bilden soll. Darum sind – einfach ausgedrückt – Diabetes Typ 1-Patienten (die ja zu wenig Insulin haben) in der Regel sehr dünn, Diabetes Typ 2-Patienten haben jedoch keine Schwierigkeiten, Fett anzulegen.

Behandlung

Menschen, die an Diabetes Mellitus Typ 1 erkrankt sind, haben keine andere Wahl, als das Insulin, dass ihnen fehlt, per Injektion zuzuführen. Die erforderliche Menge hängt vorwiegend von ihrer Ernährung ab, sie müssen sie regelmäßig (mehrmals täglich) recht umständlich und leider auch unangenehm selbst bestimmen.

Um bei unserem Beispiel zu bleiben: es werden Hunderter (Insulin) geschmissen, damit können wir (die Zelle) wieder Waren (Zucker) in unserer Umgebung (Blut) kaufen.

Menschen, die an Diabetes Mellitus Typ 2 erkrankt sind, können (zumindest für einen Außenstehenden betrachtet) bei weitem einfacher behandelt werden. Das Wichtigste ist, den Blutzuckerspiegel dauerhaft zu senken und die Zellen wieder sensibel aufs Insulin zu machen. Ersteres geht durch Ernährungsumstellung. Zweiteres geht, indem man die Zelle zwingt, viel Zucker zu verarbeiten, sozusagen um zu üben und wieder zu lernen, was Insulin ist und warum es so toll ist. Dies geht eigentlich (auch wieder zumindest für einen Außenstehenden betrachtet) auch sehr einfach: mit Bewegung! Das ist der Grund, warum wir TrainerInnen Diabetes Typ 2-Erkrankte (vor allem in den ersten Jahren ihrer Erkrankung) manchmal sogar heilen können!

Und wieder zu unserem Beispiel: unser eigener Bedarf an Waren ist plötzlich so hoch, dass wir uns als einzige Möglichkeit, nicht unterzugehen, nur noch neue Finger wachsen lassen können. Vielleicht nicht gleich alle zehn auf einmal. Vielleicht auch nicht ganz so tolle wie vorher. Aber sie können wieder Hunderter fangen und ein Anfang ist getan.

Wenn das mit dem Training und der Ernährungsumstellung nicht klappt, haben Ärzte natürlich auch Alternativen zu bieten, in Form von Medikamenten, die auf verschiedenste Art und Weise in das vorhandene Problem eingreifen. Sie haben allesamt (wie jedes Medikament, das auch eine Wirkung hat) Nebenwirkungen – und darauf können die meisten Patienten eigentlich verzichten.

Bewegungsempfehlung für Patienten mit Diabetes Mellitus Typ II

  • mindestens 150 min, also 2,5 Stunden Ausdauersport ( NUR in AEROBER STOFFWECHSELLAGE!!!) pro Woche, auf beliebig viele Termine aufgeteilt. Ideal: Walken, Wandern, Nordic Walken u.ä.
  • zusätzlich 2 x wöchentlich moderates Kraft-Ausdauertraining

 

Zur Entstehung dieses Artikels

Diabetes mellitus ist eine sehr komplexe Angelegenheit, es gibt sehr viele verschiedene Formen und natürlich ist auch das mit den Hormonen – allem voran mit dem Insulin – nicht ganz so einfach. Mein Bestreben war es nicht, hier eine komplette, wissenschaftlich korrekt nachvollziehbare Abhandlung zum Thema zu erschaffen (die wäre wohl mind. 10 mal so lange), sondern Trainern eine grobe Idee zu geben, was bei dieser Krankheit im menschlichen Körper so IN ETWA vorgeht, warum sie entsteht und vor allem: WARUM SIE HIER OFT BESSER HELFEN KÖNNEN, ALS ÄRZTE!!! Nix für ungut also an die Fachleute, ich weiß eh… :)

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